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Willkommen liebe Bürgerinnen und Bürger!

Die Stadt Bad Oldesloe ist eine Stadt mit Herz, in der man schnell Anschluss findet. Neben einer abwechslungsreichen Naturlandschaft sind es vor allem die Kultur, Bildung sowie die vielen Freizeitangebote, die wenige Wünsche übrig lassen. Zahlreiche Vereine bringen die Einwohner in Kontakt und sorgen das ganze Jahr über für Leben in der Stadt. Insbesondere zeichnet sich die Stadt durch ein starkes ehrenamtliches Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger aus. Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Stadtlebens und machen die Stadt lebendig und lebenswert.

Insektenschutzflächen

Die Stadt Bad Oldesloe unterhält viele naturnahe Flächen wie Wasser-, Wald- und Feuchtflächen, Ausgleichsflächen und Knicks. Sie liegen meist etwas außerhalb der bebauten Bereiche und sind ökologisch wertvoll. Die innerstädtischen Grünflächen dienen mehr der Nutzung und der Wohnumfeldgestaltung als dem Naturschutz. Dies waren bisher die obersten Ziele bei der Bepflanzung und Pflege dieser Flächen. Es gibt daher in den innerstädtischen Grünanlagen viele intensiv gemähte Rasenflächen, weil sie den Nutzungsdruck durch Belaufen und Bespielen besser als alle anderen Grünflächen vertragen.

Für einige dieser Flächen hat die Stadt Bad Oldesloe in Zusammenarbeit mit dem BUND und dem NABU ein neues Mähkonzept erarbeitet, damit die Insekten- und Pflanzenvielfalt wieder zunimmt.

Bisherige Pflege der Grünflächen

Die Stadt Bad Oldesloe verwendet bei der Pflege der städtischen Grünflächen seit den 80er Jahren weder Dünger noch Pflanzenschutzmittel. Bei der Flächenpflege ohne Einsatz von Hilfsmitteln muss vermehrt auf die Gegebenheiten reagiert werden. In trockenen Sommern muss weniger gemäht werden, man hat aber ohne Wässern auch weniger Blütenpracht. In nassen Sommern wachsen Gräser und Kräuter manchmal schneller als gemäht werden kann. Die Flächen sehen je nach Wetterlage also nicht jedes Jahr gleich aus.

Viele Grünflächen wurden bis 2018 regelmäßig etwa alle 2 Wochen gemäht, andere Flächen aber nur ein bis zwei Mal im Jahr. Schon lange extensiv gepflegte Grünflächen gibt es z. B. am Totenredder und auf der Obstwiese am Höter Berg.

Untersuchungen im Sommer 2019

Im Sommer 2019 hat der Baubetriebshof in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, dem NABU und dem BUND in einzelnen Rasenflächen Inseln aus den regelmäßigen Mähintervallen herausgenommen, weil sich einzelne Blütenpflanzen zeigten. Diese nicht gemähten Inseln im Rasen stellten sich als sehr artenreich heraus. Viele Blütenpflanzen konnten in diesen Bereichen keimen, blühen und sich versäen. Eine rege Nutzung durch Insekten war die unmittelbare Folge. Deswegen wurde der Versuch auf weitere Flächen ausgedehnt.

Auch in den Neubaugebieten konnte auf den seit August 2019 nicht mehr gemähten Flächen eine große Anzahl an Kräutern festgestellt werden. Sogar Arten, die bereits auf der Roten Liste der besonders schutzwürdigen, gefährdeten Arten stehen, wurden dabei gesichtet. Es konnte damit nachgewiesen werden, dass es an jedem einzelnen der geprüften Standorte eine ganz eigene Zusammensetzung von Pflanzen gibt.

Es war zunächst erwogen worden, stellenweise den Rasen zu entfernen und eine extra für Blühstreifen zusammengestellte Kräutermischung auszusäen. Nach den jetzt gewonnenen Erkenntnissen hätte man damit aber die jeweils standortgebundene Vielfalt gestört.

Es ist also, anders als auf vielen landwirtschaftlich genutzten Flächen, auf den innerstädtischen Flächen nicht sinnvoll, den Bestand zu entfernen und neue Blühstreifen anzulegen. Der Bestand an Saat im Boden, die keimen kann, wenn die richtigen Bedingungen geschaffen werden, ist offenbar ausreichend. Deswegen wird die Stadt Bad Oldesloe nicht, wie an anderen Orten angestrebt, auf innerstädtischen Flächen Bewuchs entfernen, um neue, womöglich nur kurzfristig blühende Saatmischungen einzubringen.

Es zeigt sich bei der zurzeit laufenden Untersuchung der Erfolg der bisherigen Flächenpflege in den vergangenen Jahrzehnten. Die Insektenschutzflächen der Stadt Bad Oldesloe sind bewohnt. Sie haben trotz teilweise intensiver Pflege das Potenzial, sich bei zurückhaltender Pflege schnell zu vielfältigen Lebensräumen zu entwickeln.

Zukünftiges Mähkonzept

Zukünftig werden die ausgewählten Flächen in besonderen Intervallen gemäht. Teile der Flächen werden zwischen August und Oktober gemäht. Auf einem Teil der Flächen werden die Kräuter ungemäht überwintern, damit sich dort die Überwinterungsstadien der Insekten aufhalten können. Diese Flächen werden im April/Mai nach dem Verblühen und Versamen der Frühjahrsblüher gemäht.

Jeweils ein Streifen an den Wegen wird weiterhin als Rasen gemäht, damit sie auch zukünftig betreten werden können und die Wege von Bewuchs freigehalten und damit verkehrssicher bleiben. Diese Aufteilung führt dazu dass größere Rasenflächen in mindestens 3 Flächen mit unterschiedlichen Mähterminen unterteilt werden.

Die neu ausgewiesenen Insektenschutzflächen liegen im Baugebiet am Steinfelder Redder sowie in den Westgebieten und auf dem Alten Friedhof.

Dieses Mähkonzept wird im Jahr 2020 zunächst auf den in 2019 untersuchten Flächen durchgeführt. Danach ist eine Erweiterung auf weitere ausgewählte Flächen möglich.

Eine insektenfreundliche Grünanlage muss den Insekten das liefern, was sie zum Leben brauchen, nämlich Nahrung, Verstecke und Plätze zum Überwintern.

  • Nahrung
    Insekten wie Bienen, Schmetterlinge und Hummeln suchen Futter in den Blüten, also Nektar und Pollen. Die Raupen der Schmetterlinge und Larven von Käfern fressen grüne Blätter und Stängel. Viele Insekten leben räuberisch wie Marienkäfer, Laufkäfer und einige Heuschrecken oder sie sind Pflanzenparasiten wie Blattläuse. Eine bunte Wiesenfläche kann ihnen viel mehr Nahrungsmöglichkeiten bieten als ein häufig gemähter Rasen.

  • Verstecke
    Wildbienen brauchen Nistmöglichkeiten und Material für ihren Nestbau. Schmetterlinge suchen Pflanzen für ihre Eiablage und Rückzugsgebiete für ihre Puppenstadien. Auch Käfer nutzen Wiesenpflanzen für ihre Eiablage und als Versteck für ihre Larven. Eine hohe Strukturvielfalt schafft für möglichst viele Arten die geeigneten Lebensräume.

  • Plätze zum Überwintern
    Wildbienen brauchen Verstecke, in denen sie den Winter überstehen können. Das gilt auch für viele andere Insekten, für die während der Winterstarre strukturreiche Wiesen überlebenswichtig sind. Kurz geschorene Rasenflächen helfen ihnen nur wenig.

Daher muss das Mähkonzept der Grünanlagen geändert werden, wenn sie Lebensräume für Insekten werden sollen.

Um das Insektensterben zu lindern, wird verbreitet empfohlen, Blühmischungen auszusäen. Dabei sollte man unbedingt Regio-Saatgut mit Saat von einheimischen Arten verwenden. Andere Blühmischungen enthalten oft nicht-heimische Arten, die in Konkurrenz zu unseren einheimischen Pflanzen stehen und unseren Insekten weniger nützen.

Wenn Sie in ihrem Garten oder auf Ihrem Grundstück eine Fläche mit nacktem Boden haben, ist das Aussähen einer Blühmischung (Regio-Saat) geeignet, um schnell einen Bewuchs zu bekommen, der Insekten Nahrung bietet. Wenn sie einen Teil der Fläche im Herbst nicht mähen, geben sie einigen Insektenarten zusätzlich die Chance, dort zu überwintern oder ihre Eier darauf abzulegen.

Die Naturschutzverbände werben seit vielen Jahren dafür, in einigen Bereichen des Gartens Wildkräuter zu dulden und blühen und aussamen zu lassen. Das gilt weiterhin uneingeschränkt! Wenn Sie in Ihrem Garten bereits solche naturbelassenen Bereiche haben, tun Sie damit schon viel für die Artenvielfalt. Bitte roden Sie solche Flächen nicht, um dann eine Blühmischung einzusäen! Sie würden sonst der Artenvielfalt eher schaden als nützen.

Auf einer naturbelassenen Fläche im Garten wachsen Pflanzenarten, für die der Standort geeignet ist. Wenn Sie eine Blühmischung aussähen, müssen Sie damit rechnen, dass einige Samen nicht keimen oder die Pflanzen schnell wieder verschwinden, weil die Standortbedingungen für sie ungünstig sind. Sie dürfen daher nicht enttäuscht sein, wenn Ihre „Blühwiese“ nicht so bunt und vielfältig aussieht, wie Sie erwartet hatten.

Ein Kompromiss zwischen Blühmischung auf nackte Flächen aussäen und Wildkräuter einfach wachsen lassen: Wenn Sie eine relativ eintönig bewachsene Rasenfläche haben, können Sie sie ein bisschen aufkratzen, ggf. das Moos ausharken und in die Lücken die Regio-Saat einsäen.

Klaus Graeber, NABU Bad Oldesloe

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