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Hallo liebe Oldesloer*innen, hallo liebe Gäste unserer schönen Stadt!

Vielen Dank, dass Sie alle mithelfen, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, indem Sie die Abstandsregeln einhalten und die eine oder die andere Einschränkung im Freizeitbereich hinnehmen. Gemeinsam werden wir diese Krise durchstehen und freuen uns schon jetzt, dass Sie da sind!

#20 Torhaus Alter Friedhof

 

Das Gedächtnis der Stadt

Mitten in der Stadt ruhen die Erinnerungen und werden gleichzeitig hier lebendig. Der schönste - und ursprünglich hauptsächliche - Weg auf den Friedhof führt durch das mit vier offenen Rundbögen versehene Torhaus aus rotem Backstein. 1824 wurde es nach Entwürfen des Hamburger Architekten Alexis de Chateauneuf (1799-1853) errichtet. Das Torhaus als deutliches Symbol für den Übergang von der Welt der Lebenden in die Welt der Toten war nicht nur eine regionale Besonderheit der damaligen Zeit, sondern auch de Chateauneufs erstes Bauwerk und der Beginn einer viel beachteten Karriere. Der heutige »Alte Friedhof« wurde 1823/1824 vor dem Bestetor an der damaligen Landstraße nach Ratzeburg, der heutigen Bahnhofsstraße, angelegt und am 29. September 1824 eröffnet. Eine Alternative zum überfüllten Kirchhof war längst notwendig. Alte Kopflinden bilden den äußeren Rahmen des gut zwei Hektar großen Plateaus, das mit einer Höhendifferenz von bis zu 40 m über dem Alltagsgeschehen der Stadt thront. Kreuzförmige Wege unterteilten es in vier Quadranten. So trennte man Erbbegräbnisse wohlhabender Familien von einfachen Reihengräbern sowie die bestatteten Oldesloer von den Verstorbenen umliegender Ortschaften. Rasch wurde auch dieses Areal zu klein und die Begräbnisstätte wandelte sich spätestens nach der Eröffnung des noch heute genutzten Friedhofs im Südwesten der Stadt 1881 mehr und mehr zu einem Ehrenfriedhof. 1871/72 platzierte man in der Mitte des Wegekreuzes einen mit vier Marmortafeln ausgestatteten Sandstein-Obelisk als Ehrenmal für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges. 1915 erhielt der Lübecker Gartenarchitekt Harry Maasz (1880-1946) den Auftrag für den Entwurf einer Soldatengedenkstätte für die militärischen Opfer des 1. Weltkriegs, die nach seinen zeitgemäß patriotischen Plänen als Feldsteinrotunde mit einem »Heldenhain« aus Eichen realisiert und im August 1921 eröffnet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Rotunde eine neue Mitte: Der Rohlfshagener Bildhauer Richard Kuöhl (1880 bis 1961) schuf 1954 aus hellem Sandstein das Mahnmal »Die Trauernde im Gebet am Feldkreuz«. Anders als bei den vorherigen Denkmälern sollte sich die Figur deutlich von der Heroisierung der Gefallenen distanzieren. Die letzte Bestattung erfolgte 1961 in einem Familiengrab. 1975 übertrug die Kirchengemeinde den Friedhof der Stadt Bad Oldesloe, die das Gelände in einen Park umwandelte. Das Torhaus wurde saniert und die Gesamtanlage 1980 unter Denkmalschutz gestellt. 2009 schloss man die Rotunde durch ein zweiflügeliges Tor des Kunstschmieds Klaus Bösselmann und schützte sie so vor (weiterem) Vandalismus. Als greifbares Mahnmal und zeitgeschichtlicher Zeuge wird der Park (fußläufig von allen Schulen zu erreichen!) heute viel zu selten genutzt, die meisten sehen in ihm schlichtweg eine Abkürzung, ein paar wenigen reicht er nur zum Vermüllen. Damit soll nun Schluss sein, es gibt Pläne für eine neue Wertschätzung des Parks. Wir sind gespannt.

(Text : Tanja Hiller)