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Hallo liebe Oldesloer*innen, hallo liebe Gäste unserer schönen Stadt!

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#71 OHO-Kino

Familien im Flugmodus

Das OHO, das einst im Saal des O-ldesloer HO-f gestartete Kino, zählte drei würdige Vorgänger: Die »Kronen-Lichtspiele« (später »Bali«) befanden sich in der Bahnhofstraße im »Hotel zur Krone«. 1975 änderte man den Namen in »Gondel« und schipperte fortan genremäßig eher in zwielichtigen Gewässern. Das Hotelgebäude aus dem 19. Jahrhundert wurde 1984 im Zuge des Ausbaus der Bundesstraße 208 abgerissen. Die 1918 in der Hagenstraße eröffneten »Thalia-Lichtspiele« schlossen im Sommer '71. Aus dem Kino wurde später eine Kneipe, heute befindet sich dort die Sparkasse. Das dritte Filmtheater Oldesloes war das »Hansa Lichtspielhaus« an der Langestraße, der heutigen Hindenburgstraße.
Die Geschichte des Kinos begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Schaubuden auf Jahrmärkten. Von den ersten Stummfilmen 1895 über Ton-, nachcolorierte und schließlich im Technicolor-Verfahren produzierte, abendfüllende Streifen wie das Epos »Vom Winde verweht« 1939 war es ein langer, faszinierender Weg. Fast ein halbes Jahrhundert nach Scarlett O'Haras Kampf um Tara kam Heinz Wittern zum Kino, 1986 begann er als Filmvorführer im Saal des Oldesloer Hofs. Ein geschichtsträchtiger Ort, stand hier doch früher das »Tivoli«, das beliebte Hotel mit Gasthaus, bevor es im Januar 1946 während der Stationierung britischer Truppen abbrannte. Den Wiederaufbau, der mittlerweile der Stadt Bad Oldesloe gehörte, kauften 1981 die Lübecker Kinounternehmer Artur Mest und Albert Kieft, um im dortigen Hotel ein Filmtheater zu errichten. Als Heinz Wittern 1992, sechs Jahre nach seinem ersten Tag im OHO, den Betrieb als Pächter übernahm, renovierte er die drei Säle mit den knapp über 300 Sitzen und installierte eine Dolby-Surround-Anlage. 1996 kaufte er das Kino mitsamt Hotel. Ein großes Paket, vielleicht zu groß. 2013 erfolgte die Umstellung von Zelluloid-Filmrollen auf die längst zeitgemäße digitale, 3D-fähige Technik - für eine sich stark verändernde Branche zu spät. Einige Blockbuster erreichten das OHO gar nicht erst, der lange warme Sommer 2014 lockte die Leute an den Strand und in die Gärten, die im Juni stattfindende Fußball-WM vor die heimischen Fernseher. Streamingdienste und XXL-Bildschirme brachten das Kino ins eigene Wohnzimmer. Im Sommer 2015 geht es nicht mehr, das OHO schließt. Heinz Wittern kämpft, die OldesloerInnen stärken ihrem Kino den Rücken. Ein Hamburger Unternehmer kauft Kino und Hotel, ein Teilhaber steigt ein, Heinz Wittern übernimmt ein zweites Mal als Pächter das OHO. Zwei Jahre nach dem Aus feiert das Filmtheater seine Wiedereröffnung. Schicker, moderner und sich dennoch treu geblieben. Neben Kinderfilmen und Blockbustern, die dem reinen Entertainment dienen, bekommt der anspruchsvollere Film mit der Arthouse-Reihe seinen festen Platz. Kino, der Ort klassischer Kultur, an dem, anders als in Oper oder Theater, die Generationen aufeinandertreffen. Laut der Filmförderungsanstalt FFA sind die Besucherzahlen seit dem Ausbau des Breitbandnetzes zwar rückläufig, allerdings weiter weniger dramatisch, als man es bei der Konkurrenz durch Streamingdienste & Co. vermuten würde. Während der Anteil der Zielgruppe bis 29 Jahre sinkt, steigt der der Älteren. Kino ist technisch fit für die Zukunft, als Medium jedoch alt genug, um nostalgische Gefühle auslösen zu können. Und Kino ist magisch. Das Gefühl, wenn man Monate später die abgerissene Eintrittskarte in der Jackentasche findet, ersetzt kein Abend auf dem Sofa.
(Text: Tanja Hiller)