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Politik und Verwaltung

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19. Juni 2020 • 108/2020

Das Stadtarchiv Bad Oldesloe erhält ein historisches Konvolut der Löwen-Apotheke aus dem 19. und 20. Jahrhundert

Nach Schließung der Oldesloer Löwen-Apotheke, die seit 1874 über fünf Generationen von der Familie Sonder geführt wurde, entdeckte Frank Sonder im Rahmen der Räumung des denkmalgeschützten Gebäudes historische Dokumente aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Das Konvolut wurde nun im Namen von Herrn Sonder durch Anette Marquardt von der TU Braunschweig an Celina Höffgen aus dem Stadtarchiv in Bad Oldesloe übergeben.

Vor genau 302 Jahren erklärte der Dänenkönig Frederik IV. die Oldesloer Löwen-Apotheke zur königlich privilegierten Apotheke. Schon zu dieser Zeit wurden dort Tinkturen, Cremes oder Tropfen nach Rezeptur der Ärzte individuell für jeden Patienten hergestellt. Mit dem Fund von Frank Sonder, dem ehemaligen Inhaber der Löwen-Apotheke, ist bei der Räumung des denkmalgeschützten Gebäudes ein umfangreiches Konvolut an historischen Dokumenten wieder zum Vorschein gekommen. Da sich die Unterlagen bis zuletzt noch als Leihgabe im Besitz der Apothekerin Anette Marquardt befanden, übergab diese das Konvolut im Namen von Herrn Sonder an das Oldesloer Stadtarchiv. Hierbei handelt es sich unter anderem um Giftscheine aus den Jahren 1837 bis 1907. Diese waren jahrweise zu Bündeln verschnürt worden. Nur wenige Jahrgänge fehlen.

Dass die Löwen-Apotheke auch prominente Kunden hatte, zeigt der Giftschein aus dem Jahr 1907. Graf Luckner ließ von seinem Kutscher „Phosphor in Syrup fein verteilt“ zur Krähenvertilgung nach Papenburg bringen. Dem Stadtarchiv wurden außerdem drei Giftbücher mit Aufzeichnungen über die Jahre 1847 bis 1881 übergeben.

Die Apotheker hatten die Abgabe von Giften zusätzlich in das verpflichtend zu führende Giftbuch einzutragen. Der Name des Empfängers, die Menge und der Verwendungszweck wurden notiert. Der Empfänger quittierte im Buch und auf dem Giftschein mit seiner Unterschrift den Erhalt der Ware, sofern er schreiben konnte. Wer seinen Namen nicht schreiben konnte, machte drei Kreuze. Abgegeben wurde von der Löwen-Apotheke hauptsächlich Strychninweizen zur Mäusevertilgung und Phosphorlatwerge zur Rattenvertilgung. Zyankali zur Vergoldung, Arsenik zur Viehwaschung (bis zu dessen Verbot im Jahr 1867), sowie Fowlersche Arseniklösung zum innerlichen Gebrauch sind ebenfalls unter den Eintragungen zu finden.

Das Konvolut enthielt des Weiteren Rezepte und Rezeptkopien über die Abgabe von Betäubungsmitteln aus den Jahren 1867 bis 1868 und 1924 bis 1928.

Eine Auswertung der Verordnungen findet zurzeit in der Pharmazie- und Wissenschaftsgeschichte der TU Braunschweig durch Anette Marquardt statt. „Für das Archiv ist es eine besondere Ehre, ein nahezu lückenloses Konvolut aus der alten Materialkammer der ehemaligen Löwen-Apotheke zu erhalten“, so Archivarin Celina Höffgen von der Stadt Bad Oldesloe. „Die Apotheke und somit ihre Dokumente haben nicht zuletzt aufgrund ihres Alters einen besonderen Überlieferungswert für die Geschichte der Stadt Bad Oldesloe. Die Dokumente werden nun für die Nutzung erschlossen und konservatorisch aufbereitet.“