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Politik und Verwaltung

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16. Mai 2019 • PM 109/2019

Kammeroper „Weiße Rose“ als begehbare Inszenierung in Bad Oldesloe

In der Reihe „Junges Musiktheater“ bringen Studierende der Musikhochschule Lübeck (MHL) vom 14. bis 16. Juni im Kultur- und Bildungszentrum (KuB) Bad Oldesloe Udo Zimmermanns Kammeroper „Weiße Rose“ auf die Bühne. Besonders ist, dass die eindrückliche Inszenierung des preisgekrönten Regisseurs Selcuk Cara keinerlei Sitzplätze vorsieht. Vielmehr sind die Zuschauerinnen und Zuschauer eingeladen, sich frei um die mittige Spielfläche im abgedunkelten KuB-Saal zu bewegen.

In der 1986 uraufgeführten Fassung seiner Kammeroper „Weiße Rose“ zeichnet der zeitgenössische Komponist Udo Zimmermann die letzten Stunden im Leben von Sophie und Hans Scholl nach. Die Geschwister gehörten zur Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ und wurden vom nationalsozialistischen Terrorregime 1943 ermordet. In sechzehn Szenen erhalten die Zuschauer Einblick in die letzten Stunden der Geschwister, die ihre Todesangst in Visionen, Selbstgesprächen und reflektierten Monologen verarbeiten. Den Operntext setzte Librettist Wolfgang Willaschek aus Briefen und Tagebuchaufzeichnungen der Geschwister, aus Bibelversen und eigenen Texten zusammen. Der Dresdner Komponist Udo Zimmermann, geboren im gleichen Jahr, in dem die Geschwister ermordet wurden, hat die „Weiße Rose“ für eine Sängerin und einen Sänger geschrieben. Regisseur Selcuk Cara macht eine neue Dimension auf: Im Kontrast zur Originalfassung verkörpern in seiner Inszenierung neun junge MHL-Interpreten die Geschwister. „Wir sind Viele. Wir sind Sophie Scholl und wir sind Hans Scholl. Wenn Sophie Scholl fällt, dann wird eine andere Sophie Scholl ihren Platz einnehmen, wenn Hans Scholl fällt, dann wird ein anderer Hans Scholl seinen Platz einnehmen“, erläutert Cara seine Beweggründe. Die Darstellerinnen und Darsteller leihen den Geschwistern abwechselnd ihre Stimme und springen teilweise improvisierend in ihre Rolle hinein. Eine große Herausforderung für die Studierenden, die Cara über ein halbes Jahr mit intensiven Übungen auch zu Darstellung und Improvisation vorbereitet hat. In seiner Inszenierung ist Cara wichtig, „die jungen Menschen hinter der Stimme zu erkennen und sie anhand des Werkes mit ihrer Stimme in Einklang zu bringen“.Ganz ohne Bühnenausstattung, nur in eindrucksvolle Lichtsäulen getaucht, agieren die jungen Sängerinnen und Sänger parallel auf der Bühne, die sich mittig im KuB-Saal befindet und vom Publikum „umwandelt“ werden soll. Das ermöglicht es den Zuschauerinnen und Zuschauern, jederzeit ihre eigene Perspektive auf das Geschehen zu verändern und das Maß an Nähe und Distanz zu den Akteuren selbst zu bestimmen – zweifellos eine spannende Musiktheatererfahrung.
Ein Kammerensemble mit sechs Instrumentalisten an Blas-und Streichinstrumenten, Klavier und Schlagzeug begleitet die bewegende Handlung von der KuB-Saal-Galerie aus, mal mit harten Klängen, mal mit sphärisch weicher Melodieführung. „Hier werden Schreie, Träume, Bosheit und Angst klangliche Gestalt“, schreibt Zimmermann über seine Komposition. Die Geschwister wussten dass ihr „Kampf gegen eines der unmenschlichsten Systeme mit ihrem Tod enden konnte. Aber ihr Glaube an eine bessere, gerechte Welt war so stark, dass der Gedanke an den Tod sie nicht zurückhielt“. Der türkischstämmige Film-, Theater- und Opernregisseur Regisseur Selcuk Cara studierte zunächst Philosophie und Gesang und arbeitete als Opernsänger unter anderem mit Werner Schroeter, Frank Castorf, Stefan Ruzowitzky und Vincenzo Cerami zusammen. Es folgte ein Regiestudium im Masterstudiengang Szenografie mit Schwerpunkt Film. In seinen Werken setzt Cara sich immer wieder mit dem Völkermord an den Juden auseinander, so in seinem mit über 140 internationalen Preisen ausgezeichneten Film „My Last Concert“ und in seinem 2016 veröffentlichten autobiografischen Roman „Türke, aber trotzdem intelligent“, der innerhalb kürzester Zeit zum Bestseller wurde. Das Buch wurde in die Bibliothek des internationalen Zentrums für Dokumentation, Information und Forschung über die nationalsozialistische Verfolgung und Ermordung (ITS) aufgenommen und ist damit Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes. Als nächstes großes Projekt plant Cara eine szenische Aufführung des Verdi-Requiems in Theresienstadt.

Die Aufführungen der Kammeroper „Weiße Rose“ dauern rund 70 Minuten ohne Pause. Die Premiere findet am Freitag, 14. Juni 2019, um 20 Uhr im KuB Bad Oldesloe statt. Weitere Aufführungen folgen dort am Samstag, 15. Juni um 20 Uhr und am Sonntag, 16. Juni um 19.30 Uhr sowie am Sonntag, 23. Juni um 17 Uhr in der Musikhochschule Lübeck. Tickets sind online, in der Stadtinfo in Bad Oldesloe und ab einer Stunde vor Veranstaltungsbeginn an der Abendkasse erhältlich.

Termine:
Freitag, 14. Juni 2019, 20 Uhr
Samstag, 15. Juni 2019, 20 Uhr
Sonntag, 16. Juni 2019, 19.30 Uhr
Ort: KuB – Kultur- und Bildungszentrum Bad Oldesloe, Saal, Beer-Yaacov-Weg 1, 23843 Bad Oldesloe
Ticketbestellung: 04531 504-199 oder www.kub-badoldesloe.de
Preise: Vorverkauf: 18,50 €/12,50 € (ermäßigt), Abendkasse: 20,50 €/14,50 € (ermäßigt)