Oldesloe in der Geldgeschichte
Im Wandel der Zeiten ist Oldesloe nur vereinzelt mit eigenen Geldausgaben hervorgetreten. Die vorhandenen Belege sind jedoch von wesentlichem Interesse, da auch sie Mosaiksteine der Stadtgeschichte bilden und die jeweiligen Zeitabschnitte beleuchten.
Das Mittelalter
Die Ausprägung von Silbermünzen im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts weist auf einen Glanzpunkt der Stadtgeschichte hin. In einer Zeit, die überwiegend von Naturalwirtschaft geprägt wurde, war schon alleine die Ausgabe von Silbermünzen ein hervorragendes Recht, das durch Privileg des Landes- bzw. Münzherren gewährt wurde.
Nach der damaligen politischen Situation lag die Herrschaft im hiesigen Bereich bei der Plöner Linie des Hauses Schauenburg. Die Stadt Lübeck hatte bereits seit langem reichsunmittelbare Privilegien. Es war also naheliegend, dass die in Holstein regierenden Schauenburger Grafen für den wichtigen Handelsweg Hamburg-Lübeck das in ihrem Besitz befindliche Oldesloe bevorzugt ausbauten und mit Rechten wie dem der Münzhoheit ausstatteten. Auch wenn Urkunden darüber fehlen, so sind die Münzen selbst sichere Dokumente dieses Privilegs.
Die für Oldesloe geprägten Münzen sind dünne Silberplättchen in Ein- und Mehrpfennigstücken; größere Geldstücke waren zu damaliger Zeit allgemein nicht üblich. Zur Begleichung größerer Beträge wurden Münzen z. B. in „Pfund-Pfennigen“, d. h. nach Gewicht und Silbergehalte abgerechnet. Ebenso war die „Mark“ nur eine Verrechnungseinheit für Silber nach Gewicht.
Die für Oldesloe geschlagenen Münzstufen
Witten = 4 Pfennige
1/4 Witten = 1 Pfennig
Blaffert = 2 Pfennige
Hohlpfennig = 1 Pfennig
Der Witten zeigt auf der Vorderseite im Perlenkranz ein gleichschenkliges befußtes Kreuz, in dessen Mitte ein Rund mit Nesselblatt. Die Umschrift lautet MONETA OLDESLO. Auf der Rückseite (Wappenseite) befindet sich im Perlenkranz das Brustbild eines Heiligen, der in der Rechten ein Nesselblatt hält. Die Umschrift dieser Seite lautet CIVITAS HOLTZACIE. Die Münze misst etwa 20 mm im Durchmesser, sie ist ca. 1,3 g schwer.
Der 1/4 Witten weist eine dem Witten ähnliche Zeichnung auf, die Wappenseite ziert lediglich das Nesselblatt.
Der Blaffert wie auch der Hohlpfennig sind einseitig geprägte Münzen: Das zur Münzprägung verwendete Silberplättchen war so dünn, dass beim Prägeschlag die Rückseite dieser Hohlpfennige das negative Bild der Vorderseite erhielt. Das Münzbild zeigt ein stilisiertes Stadttor mit Mauer und Zinne, beim Blaffert mit gestrahltem breitem Rand, beim Hohlpfennig mit glattem schmalerem Rand.
Diese Münzen tragen keine Inschrift, sie sind sogenannte „stumme“ Münzen. Die Münzen der Witten-Stufe hingegen werden wegen ihrer Inschrift „sprechende“ Münzen genannt. Sie sind Urkunden vergleichbar und besagen voller Stolz: Geld Oldesloes, Stadt in Holstein.
Die Datierung der Münzen ist nicht direkt gegeben, jedoch aufgrund der vergleichenden Münzforschung möglich. Die Oldesloer Witten sind Parallelprägungen zu zeitgleichen Münzen des Wendischen Münzvereins. Innerhalb des Städtebundes der Deutschen Hanse hatte die wirtschaftlich stärkste Gruppe der „Wendischen Hanse“ für bessere Konvertierbarkeit ab 1379 Währungsvereinbarungen, sogenannte Rezesse, in anfangs zweijährigen Abständen getroffen. Die Auswirkungen der Rezesse führten u. a. zu besonders qualifizierten und gekennzeichneten Münzen. Durch diese Nominierung sind die Oldesloer Münzen datierbar. Die Kriterien ergeben für den 1/4 Witten eine Zeitstellung von 1379; der Witten ist eine Münzprägung aufgrund des Rezesses von 1389.
Die Bewertung der damaligen Kaufkraft bereitet nach rund 600 Jahren naturgemäß Schwierigkeiten. Allgemein waren die Pfennige des 14. Jahrhunderts namhafte Münzen, der Witten die größte Münze seiner Zeit. Der überwiegende Wertausgleich wurde eben noch in Naturalien und Leistungen abgewickelt. Ein Schlaglicht zur Münzsituation ergibt z. B. folgende dokumentierte Entlohnung.
Die Vergütung für den Zöllner Hinrich opper Hude, Oldesloe 1340/1346, betrug umgerechnet auf die Woche 10 Pfennige. Hiervon konnte der Zöllner offensichtlich den Geldverkehr für Zollstation, Familie und Gesinde bestreiten.
Das Versiegen der mittelalterlichen Münzen nach relativ kurzer Zeit belegt den schnellen und wechselhaften Verlauf der Wirtschaftsgeschichte.
Die Neuzeit
Ein weiteres Auftreten Oldesloes in der Geldgeschichte ergab sich in der Notzeit der 20er Jahre dieses Jahrhunderts. Hier erfolgten Papiergeldausgaben in zwei Notsituationen:
- Kleingeldersatzscheine gegen Ende des 1. Weltkrieges
- Notgeldscheine in der Zeit der Hochinflation mit täglichem Wertverfall
Kleingeldersatzscheine
Im Verlauf des 1. Weltkrieges wurden die im Umlauf befindlichen Silber- und Kupfermünzen eingeschmolzen und durch Zink- oder Aluminiummünzen ersetzt. Bei Ende des Krieges hatte die Inflation bereits eingesetzt, die Mark war nur halb so viel wert wie zu Kriegsbeginn. Die verbliebenen knappen Zahlungsmittel reichten für den Geldverkehr nicht mehr aus. So erschienen ab 1916 in vielen Orten Deutschlands Notgeldscheine als Kleingeldersatz.
Von der Stadt Bad Oldesloe wurden vier bildlich unterschiedliche Notgeldscheine im Wert von je 50 Pfennigen herausgegeben. Die mehrfarbig bedruckten Scheine zeigen Wappen des Kreises und der Stadt, Inschriften, typische Wahrzeichen und auch Spruchweisheiten. Unter anderem sind abgebildet der Markt mit dem Rathaus, der Hinweis auf das Sol-, Moor- und Schwefel-Bad mit der Kur-Badewanne, der Salzteich im Kurpark, der alte Justizrat Lorentzen vor der Stadtsilhouette sowie eine bildliche Darstellung zum bekannten Spruch „Dat geiht üm, as in Olslo dat Backen. wer keen Mehl het, denn geiht vörbi.“
Die Scheine sind unterschrieben vom Bürgermeister, vom Beigeordneten sowie vom Vorsteher der Stadtverordneten und seinem Stellvertreter. Die Ausgabe von solchem Notgeld wurde durch Reichsgesetz vom Juli 1922 verboten.
Notgeldscheine der Hochinflation
Im Jahre 1923 hatte die fortschreitende Inflation ein derartiges Ausmaß angenommen, dass die Ausgaben der Reichsdruckereien den Anforderungen nicht mehr gerecht werden konnten. Die Beschaffung der nötigen Geldmittel, besonders für Lohnzahlungen, musste auf regionaler Ebene geregelt werden. Dabei waren örtliche Ausgaben zunächst nicht vorgesehen, höchstens solche auf Kreisebene mit entsprechender übergreifender Gültigkeit.
Die galoppierende Inflation war schneller, so dass für Oldesloe insgesamt sieben Notgeldscheine herausgegeben wurden.
Am 20. August 1923 erschienen drei einseitig bedruckte Gutscheine der Wertstufen 500.000, 1.000.000 und 5.000.000 Mark. Zwei Monate später war die Entwertung soweit fortgeschritten, dass der 500.000-Mark-Schein durch Handstempelaufdruck, Dienstsiegel und eigenhändige Unterschrift des kommissarischen Bürgermeisters um das zehntausendfache erhöht wurde auf fünf Milliarden. Ferner wurden mit dem 30. Oktober 1923 Notgeldscheine der Wertstufen 10, 20 und 50 Milliarden herausgegeben. Auch diese Gutscheine sind einseitig bedruckt, aber im Gegensatz zur vorherigen Ausgabe farbiger und kleiner im Format.
Die Auswirkungen der Inflation sind vielfach beschrieben worden. Jahrzehntelange Ersparnisse zerrannen in nichts, Geld- und Hypothekenabfindungen waren nahezu wertlos, die Oldesloer Städtische Sparkasse hatte ihr gesamtes Eigenkapital von einer Million Goldmark verloren. Die ausgezahlten Löhne mussten innerhalb kürzester Zeit zum Einkauf verwendet werden, um z. B. wenigstens noch ein Brot zu erwerben; der Preis eines Roggenbrotes im November 1923 betrug über 470 Milliarden Mark. Die beim Verkauf von Waren erzielten Erlöse verfielen binnen kürzester Zeit.
Dies zeigt eines der vielen Beispiele aus dem Stadtarchiv:
„Ein hiesiger Fuhrwerksbesitzer verkaufte sein sehr gutes Pferd mit dem Wagen für den nach damaligen Verhältnissen angemessenen Preis von 4.000 Mark. Einige Zeit später wurde ihm ein Sprössling geboren. Für den Kinderwagen musste er 4.000 Mark, also denselben Preis zahlen, den er wenige Wochen vorher für Pferd und Fuhrwerk erlöst hatte.“
Diese Gutscheine verloren gemäß Bekanntmachung im Kreisblatt Stormarn bereits 1923 wieder ihre Gültigkeit: zum 15. November 1923 wurde der Inflation reichseinheitlich ein Ende gesetzt. Die Umtauschquote betrug eine Billion Papiermark gegen eine Mark der neuen Währung in Rentenmark.