Masaa mit viertem Album „Beit“ zurück im KuB: Arabische Texte zwischen Jazz und Rap
Ein Konzert von MASAA lässt niemanden kalt: Die Band steht für die elegante Verschmelzung von arabischer Lyrik und zeitgenössischem Jazz. Am Samstag, den 9. März, spielt das Quartett sein drittes Konzert im KuB Bad Oldesloe. MASAAs Musik hat einen unglaublichen Flow, eine ausgeklügelte Dramaturgie, ist emotional sehr intensiv und besticht stets mit einem Trompeten- und Flügelhorn-Sound, der an Nähe und Wärme kaum zu überbieten ist.
Vor der Pandemie war das Quartett MASAA international auf Tour, begeisterte sein Publikum in Ost (Tunesien, Aserbaidschan, Izmir) wie West (von Spanien bis England). Auf ihrem letzten Album „Irade“ feierte die Band den Einstand von Reentko Dirks, dessen individuelle Gitarrenkünste dem Gruppensound spektakuläre neue Klangfacetten hinzufügen. 2021 wurde Irade mit dem Deutschen Jazzpreis in der Kategorie Album Vokal des Jahres ausgezeichnet, zudem erhielt der libanesische, in Mohnheim bei Köln ansässige Sänger, Dichter und Komponist Rabih Lahoud den WDR-Jazzpreis. Auch die Medien sind von der Band begeistert. So lobte die FAZ „die kosmopolitische Ausstrahlung“ und hob unter anderem hervor: „eingängig und gleichzeitig interessant wirken die Melodieführung und das warme Timbre von Rabih Lahoud und Marcus Rust.“ Süddeutsche.de resümierte: „Musik, die laute und leise, nachdenkliche und intensive Töne, Orient und Okzident auf außergewöhnliche Weise vereint.“
Das neue, vierte Album „Beit“ (auf Deutsch: Haus, Heim) manifestiert die musikalische Tiefe der Band, ihre singuläre Klangsprache und den Gestaltungswillen aller Beteiligten. Allein das Titelstück wirkt wie eine atemberaubende Achterbahnfahrt durch Emotionen und feinsinnige musikalische Wechsel. Anfangs ruhig, beinahe kontemplativ, mit einladenden Gitarrentupfern, zarten Streichern, sensibler Stimme und verwehenden Trompetentönen, wandelt sich der Song ab der Hälfte radikal: Über einem ungeraden Groove rappt Rabih Lahoud beherzt rhythmische Silben- und Wortkaskaden, teils im direkten Dialog mit Rust. Auch in Nabat offenbart Lahoud seine Sprechgesangs-Skills, wechselt zwischen akzentuierter Spoken Poetry und melodiösen Passagen. Songs mit Tempo und Drive, darunter die französisch-sprachigen Racines und Resistance sowie das federnd-optimistische Flowers kreieren kluge Kontraste zu langsamen Stücken wie Mantra, Secret Of The Wings, Return und Mompou, deren Intensität aus entschlossener Reduktion resultiert. Stets bildet der eindringliche Gesang Rabih Lahouds, seine Ausdruckskraft über mehrere Oktaven bis in hohe Register das Gravitationszentrum des Quartetts. Eingebettet in nuancierte Arrangements, deren Dynamik besonders live gängige kammermusikalische Rahmen sprengt. Das unverkennbar im zeitgenössischen Jazz angesiedelte Spiel von Trompeter Marcus Rust spannt Bögen von lyrischen Passagen über rhythmische Phrasierungen bis zu spannenden Dialogen mit Lahouds Melismen; Rusts enormes Klangspektrum oszilliert von lautmalerischen über verschattete bis zu strahlenden (Mikro-)Tönen. Drummer Demian Kappenstein unterstützt und beflügelt mit leichter Hand, mal sensibel, mal lauernd bis energiegeladen. Dazu kreiert Reentko Dirks ungeahnt variable Klänge mit seiner speziellen, präparierten Akustikgitarre. Auf einem ihrer zwei Hälse spielt Dirks filigrane Pickings und zupackende Akkorde, die sogar Flamenco-Vehemenz erreichen können. Der zweite Hals ist teils mit Bass-Saiten und teils doppelsaitig bespannt, zudem gibt es in der oberen Hälfte des Griffbretts keine Bünde, was das Spiel von Glissandi und Vierteltönen erleichtert. So kommt Dirks Sound dem Klang eines Kontrabasses und der arabischen Laute Oud nahe.
Wer möchte, kann MASAA in eine Reihe mit Grenzgängern wie Dhafer Youssef und Rabih Abou-Khalil stellen. Die Songs ihres neuen Albums Beit wirken noch detailschärfer, die Interaktion der Musiker ist noch nuancierter. So bringt MASAA auf eindrückliche Art Essenzen musikalischer Ästhetik aus Ost und West zusammen und kreiert daraus eine höchst intime und gleichzeitig kraftvolle Musik, die Genre- und andere Grenzen hinter sich lässt.
Karten gibt es an der Stadtinfo, online oder telefonisch unter 04531 504-199 sowie an der Abendkasse.
Termine: Samstag, 9. März, 20 Uhr
Ort: KuB – Kultur- und Bildungszentrum Bad Oldesloe, Beer-Yaacov-Weg 1, 23843 Bad Oldesloe
Tickets: Tel. 04531 504-199 oder www.kub-badoldesloe.de
Preise: Vorverkauf: 23,50 €/17,50 €, Abendkasse: 25,50 €/19,50 €