Liebe Oldesloerinnen und Oldesloer, liebe Gäste unserer schönen Stadt!
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Station 10: Zwangsarbeiter in Bad Oldesloe; Zwangsarbeiter Leon Spruytte aus Belgien
Johanna Hanson, Enie Hecker und Klara Lattke
1939 wurden ausländische Arbeitskräfte gewaltsam nach Deutschland gebracht. Insgesamt arbeiteten zwischen 1939 und 1945 mehr als 12 Millionen Frauen und Männer aus allen Teilen Europas im Deutschen Reich. Dabei sollte man bedenken, dass hier in Bad Oldesloe fast jeder Handwerks- und Industriebetrieb Zwangsarbeiter beschäftigt hat. Am 24. April 1945 starben viele Menschen in Bad Oldesloe bei einem Bombenangriff. Unter den etwa 700 Toten befanden sich auch Zwangsarbeiter.
Die Behandlung der Zwangsarbeiter hing stark von ihrer Stellung innerhalb der nationalsozialistischen Rassenhierarchie ab. Dies betraf die Unterkunft, Entlohnung, Ernährung, die allgemeine Behandlung und medizinische Versorgung sowie die Gewährung von Freizügigkeit. Am besten erging es den als »germanisch« eingestuften Niederländern, Dänen, Norwegern und Flamen; ihnen untergeordnet waren die Angehörigen »nichtgermanisch« besiegter oder besetzter Länder (z. B. Franzosen und Wallonen), während die slawischen Zwangsarbeiter, vor allem Polen und Russen, als rassistisch minderwertig galten. Zu Zwangsarbeit vor allem in der Rüstungsindustrie wurden auch Strafgefangene, Juden, KZ-Häftlinge und Sinti und Roma gezwungen. Diese rassistische Kategorisierung der Zwangsarbeiter wurde offen propagiert und mit Gewalt oder aus Überzeugung durchgesetzt.
Im Oldesloer Landboten erschienen gehässige und aufhetzende Artikel wie im Juni 1940, als es hieß:
»Gefühle sind heute nicht am Platze. Wie unsere Soldaten, unsere Männer, Brüder und Kameraden draußen nur den Sieg kennen, so kennt auch die Heimat nur die deutsche Ehre. Das polnische Volk hat sich durch seine viehischen Verbrechen selbst gerichtet. Der polnische Kriegsgefangene ist Angehöriger dieses Volkes und unterliegt diesem Richterspruch. Jede Rührseligkeit verletzt unsere nationale Würde«.
Eine umfassende Aufarbeitung der einzelnen Zwangsarbeiterfälle ist nur bedingt möglich, denn viele Unterlagen wurden zum Ende der NS-Zeit beseitigt oder verbrannt, um möglichst keine Spuren zu hinterlassen.
Auf dem alten und neuen Friedhof befinden sich Gräber von Oldesloer Zwangsarbeitern.
Zwangsarbeiter Leon Spruytte aus Belgien
Sabine Feder und Jörg Lelke
Während des Zweiten Weltkrieges waren etwa 8.000-10.000 Zwangsarbeitende aus über 25 Ländern Europas in Stormarn im Arbeitseinsatz. Darunter auch Leon Spruytte aus Belgien, der als Rangierer bei der Reichsbahn beschäftigt war.
Der Oldesloer Bahnhof war in den Kriegsjahren ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, über den die Flüchtlings- und Soldatentransporte vom Osten in den Westen abgewickelt wurden. Leon Spruytte starb im August 1944 infolge eines Arbeitsunfalls. Er wurde auf dem katholischen Friedhof am Wendum in Bad Oldesloe beigesetzt.
Aus heutiger Sicht fällt uns auf den ersten Blick die Vielzahl von Eisenbahner-Kollegen auf, die von dem offensichtlich geschätzten Leon Spruytte Abschied nehmen. Die belgischen Zwangsarbeiter hatten einen Sonderstatus unter den Zwangsarbeitern.
Knapp siebzig Jahre nach seinem Tod kam seine Tochter Margriet mit ihrem Mann Erik aus Westflandern 2010 nach Bad Oldesloe, um am Grab ihres Vaters einen Blumengruß niederzulegen.