Liebe Oldesloerinnen und Oldesloer, liebe Gäste unserer schönen Stadt!
hier finden Sie Tipps für Ihre Freizeit in Bad Oldesloe und der näheren Umgebung sowie eine Übersicht der Gastgeber. Schön, dass Sie da sind!
Station 3: Der Reichsarbeitsdienst in Bad Oldesloe
Leotrim Selimi, Lendrit Lokaj, Jan Bojarinow, Furkan Sucuoglu und Niko Liebe
Bereits in der Weimarer Republik gab es einen freiwilligen Arbeitsdienst (FAD), der dazu dienen sollte, die Jugendarbeitslosigkeit zu senken. Dieser FAD wurde von den Nationalsozialisten »gekapert« und am 26. Juni 1935 in einen verpflichtenden Reichsarbeitsdienst (RAD) für Männer umgewandelt.
Der Reichsarbeitsdienst diente primär der Wehrertüchtigung und war deshalb sehr eng mit der Einführung der Wehrpflicht im März 1935 verbunden. Beide Maßnahmen waren ein Baustein der Kriegsvorbereitung. Diese beiden Verpflichtungen sollten u. a. zeigen, dass das NS-Regime keine Angst vor der Konfrontation mit den Siegermächten aus dem Ersten Weltkrieg hatte.
Ab 1938 gab es auch den verpflichtenden RAD für Frauen unter 25 Jahren. Der weibliche RAD entsandte die Frauen in traditionelle Arbeitsfelder in der Land- und Hauswirtschaft, so wie es dem Frauenbild der NSDAP entsprach.
Die Arbeiten des RAD umfassten Bauvorhaben, landwirtschaftliche Tätigkeiten und Infrastrukturentwicklung. RAD-Mitglieder waren an verschiedenen öffentlichen Arbeiten beteiligt, wie dem Bau von Straßen, Entwässerungssystemen und Aufforstungsmaßnahmen. Sie nahmen auch an militärischen Übungen teil und es wurde von ihnen erwartet, die Ideale der nationalsozialistischen Ideologie zu unterstützen.
Arbeitsdienstlager Bad Oldesloe
Am 4. Mai 1933, 15 Uhr nachmittags, wurde das sozialdemokratische Freiwillige-Arbeitsdienstlager in der Lübecker Straße und drei Monate später auch das kommunale Arbeitsdienstlager in der Jugendherberge von der NSDAP übernommen. Das neue Leitungspersonal bestand oft aus Militärpersonen, die mehr auf Drill als auf Arbeitsleistung achteten. Dies machte den Arbeitsdienst, auch wegen der sehr geringen Entlohnung, unattraktiv. Die 40 jungen Männer des Oldesloer Arbeitsdienstes wurden »Arbeitssoldaten« genannt. Ihre ersten Arbeitsaufträge bestanden im Anlegen einer Rodelbahn, dem Wegebau im Kneeden und dem Ausbau des neuen Stammlagers des FAD in der Ratzeburger Straße. Zu den besonders geförderten Maßnahmen des Reichsarbeitsdienstes gehörten Fluss- und Vorflutregulierung.
Das Arbeitsdienstlager in der Ratzeburger Straße
Im Juli 1933 war klar: »Das Arbeitslager kommt.« Man ging von 210 bis 220 jungen Männern aus. Sie sollten in einem neu zu errichtenden Stamm-Arbeitsdienstlager in Bad Oldesloe untergebracht werden. Um die neuen Arbeiter unterzubringen, wurde die Molkerei in der Ratzeburger Straße von den Arbeitern des FAD zum neuen Arbeitsdienstlager umgebaut.
Das Gebäude wurde so umgebaut, dass es ein zusätzliches Stockwerk
bekam und große Schlafräume hatte. Es hatte außerdem noch einen Tagesraum, eine Küche, Speisesäle, Schreibstuben, Werkzeugräume, eine Kantine, Werkhütten und eine Schmiede. Da für die Arbeitsdienstleistenden auch gekocht wurde, gab es einen Gemüsegarten und eine Schweinemast, damit man die Küchenabfälle so vorteilhaft wie möglich verwerten konnte. Am 10. März 1934 übergab die Stadt, die vorher die Molkerei gekauft hatte, das Gebäude der Gruppenstammabteilung 1/70 des Arbeitsdienstes.
Die Finanzierung des Sitzes war aber alles andere als günstig. Das bedeutete, dass die Kosten die Stadtfinanzen schwer belasteten und dies Anlass für einen langen Konflikt mit dem RAD war.
Es war lange still um den Arbeitsdienst in Bad Oldesloe. 1938 wurde schließlich das Arbeitslager aufgehoben und diente zunächst als Gemeinschaftslager der Deutschen Munitions Werke Lübeck. Im September 1941 wurde das Gebäude an einen Hamburger Kaufmann verkauft.
Der Sitz des Arbeitsdienstlagers in Bad Oldesloe heute
Der ehemalige Sitz des Reichsarbeitsdienst wurde umgebaut und ist heute die Jugendfreizeitstätte der Stadt Bad Oldesloe. Dort können Jugendliche ihre Freizeit ausleben und gemeinsam Spaß haben.