Liebe Oldesloerinnen und Oldesloer, liebe Gäste unserer schönen Stadt!
hier finden Sie Tipps für Ihre Freizeit in Bad Oldesloe und der näheren Umgebung sowie eine Übersicht der Gastgeber. Schön, dass Sie da sind!
Station 4: Gaststätten und Hotels in Bad Oldesloe in der NS-Zeit
Schreibwerkstatt der Aktivität »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage« an der IES Bad Oldesloe (Sommer 2023): Enna Butsch, Maimouna Kühle, Feline Döscher, Hannah Heidel, Luise Neumann und Asma Teouri
Wussten Sie, dass viele Gaststätten in Bad Oldesloe von 1933 bis 1945 ständig von Nazis genutzt wurden? In sämtlichen Gaststätten und Hotels hielten die NSDAP und andere Nazi-Organisationen ihre Versammlungen ab. Man konnte nirgends hingehen, ohne auf NS-Propaganda und NS-Aktivitäten zu stoßen. So etwas lässt sich schwer vorstellen. Und dennoch war es vor nicht einmal 100 Jahren die Realität für die Bad Oldesloer Einwohnerschaft. In dem folgenden Text werden wir Sie über diese Realität informieren.
Fangen wir an mit den Gaststätten und Hotels, die es in Bad Oldesloe gab. Wo waren diese und was ist heute aus ihnen geworden? Zuerst gab es das Hotel »Harmonie«, welches am unteren Ende der Bergstraße gelegen war und an dessen Stelle sich heute ein Fitnessstudio befindet. Als nächstes der frühere Gasthof »Tivoli«, der heute noch existiert: Das ist nämlich das Hotel Oldesloer Hof und das OHO Kino in der Hamburger Straße. (Anders als viele Menschen denken, gab es damals zwei Kinos in Bad Oldesloe. In diesen wurden hauptsächlich Propaganda- und Abenteuerfilme gezeigt.) Zu früheren Zeiten lag in der Bahnhofstraße ein Hotel »Zur Krone«, das aber wie die »Harmonie« später abgerissen wurde. Der »Gasthof Hildebrandt«, auch »Zur deutschen Eiche« genannt, lag an der Besttorbrücke und existiert ebenfalls nicht mehr, so wie das »Gasthaus Heuseler«, auch »Zur alten Linde«, in der Hamburger Straße 2. Bad Oldesloe besaß damals sogar ein Kurhaus, welches auf der Wiese gegenüber dem Parkhaus Liebe stand. Das Kurhaus war außerordentlich luxuriös, verfiel aber schon bald. Es wurde mehrmals renoviert, musste aber noch vor Ende der NS-Zeit abgerissen werden. (Dabei diente die Renovierung im Jahr 1934 ausdrücklich dazu, das Kurhaus und den davor liegenden Platz für die NSDAP zur Verfügung zu stellen.) In »Bartels Gasthof« - offenbar das Restaurant »Kupfermühle« in Rohlfshagen - gab es zur Feier der »Machtergreifung« Anfang 1933 Verpflegung für die bestellten Demonstranten.
In der »Wolkenweher Mühle«, die heute kein Gasthof mehr ist, fanden damals NS-Schulungen und die Treffen der Hitler-Jugend statt. Die Lage dieses Lokals, nur wenig außerhalb, bot den Vorteil, dass die Nazis sichtbar in die Stadt einmarschieren konnten. Ansonsten wurden die Schulungen für die Parteimitglieder nach Eigenaussagen eher langweilig gefunden; sie waren aber Pflicht. Andere typische Veranstaltungen waren Reden der örtlichen NS-Vorsitzenden und Anlässe wie die Verleihung des »Mutterkreuzes« oder die feierliche Aufnahme von Jugendlichen in die HJ. Um den guten Schein zu wahren, standen auch Musikprogramme und andere gesellige oder kulturelle Veranstaltungen auf der Tagesordnung. Anders als bei den Parteischulungen war das Publikum dann immer sehr groß und schon deshalb wurden alle Räume der Hotels und Gaststätten benötigt. Die Gaststättenbesitzer boten die Räumlichkeiten übrigens meist von selbst an und mussten nicht dazu gezwungen werden.
Während der NS-Veranstaltungen wurde sehr offen und ausführlich über die Ideologie des Regimes gesprochen, dabei sollte auch die breite Masse erreicht und sozusagen »aufgerichtet« werden. Da alle Veranstaltungen so offen abgehalten und nie verheimlicht wurden und überdies recht häufig stattfanden, wussten die Bürger dementsprechend genau, was dort geschah und gesprochen wurde. Sie gingen ja oft genug selbst hin!
Nach dem Ende der NS-Zeit taten aber viele so, als ob sie nie etwas mitbekommen hätten von all dem. Vermutlich hatte sich zuvor niemand getraut, etwas dagegen zu unternehmen aus großer Angst vor den Nazis und davor, was passieren würde, wenn sie gegenankämpfen würden. Denn es war bekannt, dass Widerstand im Nationalsozialismus mit KZ-Haft bestraft wurde.
Bereits vor der »Machtergreifung« hatten die Nazis gezeigt, dass sie im Umgang mit politischen Gegnern auf Gewalt setzten - mindestens einmal auch in einer Bad Oldesloer Gaststätte. So versuchten sie am 24. Februar 1933 eine Wahlveranstaltung der KPD im »Tivoli« mit Schlägertrupps zu stören. (An dem Tag gewannen die Kommunisten die Auseinandersetzung; aber kurz darauf wurde ihre Partei verboten und sie selbst wurden verhaftet, oft auch umgebracht.)
In der NS-Zeit verlief der Gaststättenbetrieb dann »ruhig«: Es wurden weiterhin Hotelzimmer vermietet und alkoholische Getränke verkauft. Die Gaststättenbesizter überließen der NSDAP ihre Räumlichkeiten schon aus wirtschaftlichen Gründen.
Während des Krieges wurden dann auch Gefangene und Zwangsarbeitende in einigen Bad Oldesloer Hotels einquartiert. So waren etwa die französischen Kriegsgefangenen im Hotel »Harmonie« untergebracht und die Belgier im Kurhaus. Im Kurhaus mussten ab 1941 auch Soldaten und Obdachlose unterkommen; dies führte häufiger zu Konflikten. Liebesgeschichten und freundschaftliche Kontakte mit den Gefangenen waren verboten, kamen aber vereinzelt vor.