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Station 2: Das Logenhaus
Klasse 10 b - TSS
Kontrolle und Erziehung der Jugend waren Kernthemen der national-sozialistischen Politik. Damit Jungen und Mädchen ideologisch beeinflusst werden und später eine für den NS-Staat nützliche Rolle übernehmen konnten, wurden sie in der Hitlerjugend (HJ) versammelt. In Bad Oldesloe diente ab 1936 das Logengebäude im Bürgerpark als HJ-Heim.
Die Hitlerjugend war die wichtigste Jugendorganisation der Nationalsozialisten. Mithilfe dieser Organisation sollte die Jugend umfassend kontrolliert und im Sinne der NS-Ideologie zu angepassten und gehorsamen Menschen erzogen werden. Neben der ideologischen Schulung, die häufig aus stupidem Auswendiglernen und Wiederholen vorgegebener Lerninhalte bestand, wurde besonders großer Wert auf die körperliche und militärische Ausbildung gelegt.
Zum Zeitpunkt der Machtübernahme gehörten der HJ etwa 100.000 Jugendliche an, was lediglich zwei Prozent der gesamten organisierten Jugend entsprach. Andere Jugendverbände, die etwa einen gewerkschaftlichen, sportlichen oder religiösen Hintergrund besaßen, wurden im Zuge der Gleichschaltung verboten oder in die HJ eingegliedert. So stieg die Mitgliederzahl noch im Jahr 1933 auf 2,3 Millionen an, ein Jahr später bereits auf 3,5 Millionen. Um das angestrebte Erziehungsziel erreichen zu können, bestand ab 1936 eine Zwangsmitgliedschaft und die HJ wurde stark hierarchisch aufgebaut: Die 10-14-jährigen Jungen wurden innerhalb der Hitlerjugend im »Deutschen Jungvolk«, die gleichaltrigen Mädchen bei den »Jungmädeln« organisiert. Ab dem 14. Lebensjahr wechselten die Mädchen in den »Bund Deutscher Mädel«, die Jungen in die eigentliche »Hitler-Jugend«. Diese war folgendermaßen strukturiert: 15 Jungen formierten auf der untersten Ebene eine »Kameradschaft«, drei Kameradschaften bildeten zusammen eine »Schar«, drei Scharen ergaben eine »Gefolgschaft«, drei bis fünf Gefolgschaften gehörten zu einem »Stamm«, vier bis acht Stämme wiederum bildeten einen »Bann«. Auf der nächsten Ebene lagen die »Gebiete« aus je zehn bis 30 Bannen. Diese waren den Gebietsführern unterstellt. An oberster Stelle befand sich seit Juni 1933 Baldur von Schirach als Reichsjugendführer.
Die HJ in Bad Oldesloe gehörte dem Gebiet 6 Nordmark und dem Landbann 185 an. Dieser Bann bestand bereits ab 1933 und sollte seinen Dienstsitz in Bad Oldesloe haben. Von 1933 bis 1938 wechselte der Dienstsitz der Bannführung mehrere Male innerhalb der Stadt. Befand er sich zunächst noch im Hotel »Harmonie«, zog er Ende 1933 in das »Adolf-Hitler-Haus« um. Wenig später erfolgte ein weiterer Wechsel in das ehemalige Auguste-Victoria-Heim am Exerzierplatz. Nach einer Umsiedlung in die »Herberge der Heimat« in der Königsstraße, da der RAD das Heim am Exerzierplatz für sich beanspruchte, erfolgte 1938 schließlich die Verlegung des Dienstsitzes in die Salinenstraße.
Ähnlich wechselhaft ist die Geschichte der Räumlichkeiten für HJ-Veranstaltungen. Aufgrund steigender Mitgliederzahlen (es waren 220 in zwei Gefolgschaften) reichten die Räume, die die HJ seit Oktober 1933 im Kurhaus als Jugendheim gratis benutzen konnte, bereits im Dezember des gleichen Jahres nicht mehr aus. Ein Gesuch an den Magistrat, der HJ Räumlichkeiten in der ehemaligen »Herberge zur Heimat« für Kameradschaftsabende zu überlassen, wurde allerdings abgelehnt. Auch die Oberrealschule wurde gebeten, unentgeltlich Unterrichtsräume zur Verfügung zu stellen. Ab 1935 konnte die HJ mehrere Tage
in der Woche Räumlichkeiten im Gemeindehaus der evangelischen Kirche für ihre Veranstaltungen nutzen. 1936 - inzwischen zählten 840 Jungen zur HJ und 250 Mädchen zum BDM - übergab der Oldesloer Bürgermeister Kieling das zuvor enteignete Logenhaus an die HJ. Das Haus, 1902 von der Johannisloge als Ort der Versammlung und Begegnung am Bürgerpark eröffnet, wurde bereits ein Jahr zuvor von den Nationalsozialisten zur Auflösung gezwungen. Als Jugendheim für die HJ stellt das Logenhaus in Bad Oldesloe eines der ersten im gesamten Reichsgebiet dar, denn die Bereitstellung von HJ-Heimen wurde den Kommunen erst 1937 verpflichtend auferlegt.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs diente das Logenhaus ab 1945 dem Wohnungsamt als Sitz, bis es 1948 wieder der Johannisloge für seinen eigentlichen Zweck übergeben wurde.