Liebe Oldesloerinnen und Oldesloer, liebe Gäste unserer schönen Stadt!
hier finden Sie Tipps für Ihre Freizeit in Bad Oldesloe und der näheren Umgebung sowie eine Übersicht der Gastgeber. Schön, dass Sie da sind!
Station 7: Das Bürgerhaus (1933–1945 „Adolf-Hitler-Haus“ genannt)
Klasse Q2-2C
Das Bürgerhaus in der Mühlenstraße 22 kann auf eine facettenreiche Geschichte zurückblicken. Im 20. Jahrhundert wandelte sich die Nutzung und Bedeutung für die Stadt Bad Oldesloe. 1920, also zu Beginn der Weimarer Republik, zog das Finanzamt (bis 1932) in das Gebäude.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 wurde das Gebäude im Oktober 1933 an die NSDAP übergeben und offiziell in »Adolf-Hitler-Haus« umbenannt. In den folgenden Jahren der nationalsozialistischen Diktatur diente es als Parteizentrale der Kreis-NSDAP in Bad Oldesloe und wurde so zum Mittelpunkt der politischen Macht bis zum Kriegsende 1945. Im Oktober 1933 zog die NSDAP-Kreisleitung, die vorher in Ahrensburg ihren Standort hatte, hier ein. Das Haus befand sich in städtischem Besitz, wurde durch das Bauamt renoviert und umgebaut und sollte der politische Mittelpunkt Bad Oldesloes und der politische Mittelpunkt des Kreises Stormarn sein. Hier wurden die nationalsozialistischen Organisationen und Gliederungen zentralisiert, von der Kreisleitung über die Ortsgruppe, die Deutsche Arbeitsfront (DAF) und die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation (NSBO).
Die feingliedrige lokale Organisationsstruktur der Partei führte von den »Kreisleitungen« über die »Ortsgruppen« und »Zellen« bis hinunter zum überschaubaren »Block«. Zu den Aufgaben der Blockwarte gehörte auch die Propaganda und Mitgliederwerbung. Blocks waren straßen- und hausweise organisiert. So ließ sich das Verhalten der Bürger leicht kontrollieren; zum Beispiel, ob an Festtagen das »Hakenkreuz« geflaggt war, der »Deutsche Gruß« erwidert wurde oder man auf dem Flur »Führer-Witze« erzählte. Die Parteifunktionäre leiteten ihre »Erkenntnisse« an übergeordnete Stellen weiter, sodass die NSDAP-Kreisleiter zur entscheidenden Instanz wurden. Sie konnten Vorgänge ignorieren oder versuchen, Schlimmes zu vermeiden, indem sie Beschuldigte verwarnten. Andere aber brachten den staatlichen Verfolgungsapparat in Gang, indem sie Polizei, Gestapo oder direkt die Staatsanwaltschaft einschalteten. Dem Bürgermeister Julius Franz Wilhelm Kieling (1902-1953) kam eine bedeutende Rolle hinsichtlich der Ermittlungen und Verfahren zu. Dabei nahm er allerdings eine ambivalente Position ein. Seine Reden und Schriften machten deutlich, dass er sich einerseits mit den Zielen des Nationalsozialismus identifizierte, er andererseits aber auch mäßigend und beschützend wirkte. Im Mai 1933 ist er in die NSDAP eingetreten.
Auch andere Behörden leisteten bei Terror und Verfolgung entscheidende »Amtshilfen«: Einwohnermelde-, Ordnungs-, Finanz-, Gesundheits- und Sozialämter erstellten Personenlisten unterschiedlicher Verfolgtengruppen und meldeten Opfer an die Verfolgungsinstitutionen. Die parteiamtliche Kontrolle der Bevölkerung und die Verfolgung missliebiger Personen war auch in Bad Oldesloe gegeben. Im »Adolf-Hitler-Haus« wurden also auf administrative Art die ersten Schritte eingeleitet, die letztendlich auch zu den Gräueltaten der Nazis geführt haben.
Als 1945 der Zweite Weltkrieg mit dem Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland endete, ließ sich die britische Besatzungsmacht im Bürgerhaus nieder und kümmerte sich von dort aus um die Verwaltung Bad Oldesloes. Bereits 1946 hielt die Kreisverwaltung Stormarn Einzug in das Gebäude. Ab 1952 diente es als Amtsgericht, bevor es ab 1965 als Stadtbücherei genutzt wurde. 1979 wurde es unter Denkmalschutz gestellt. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten zur Instandhaltung Anfang der neunziger Jahre ist es nun wieder das Bürgerhaus der Stadt Bad Oldesloe. Es spielt also noch heute eine zentrale Rolle für das Geschehen, denn der Saal eignet sich für Vorträge, Versammlungen, Seminare und kann sogar für Privatfeiern gebucht werden.