Liebe Oldesloerinnen und Oldesloer, liebe Gäste unserer schönen Stadt!
hier finden Sie Tipps für Ihre Freizeit in Bad Oldesloe und der näheren Umgebung sowie eine Übersicht der Gastgeber. Schön, dass Sie da sind!
Station 9: Das „Blaue Haus“
Klasse Q2-2C
Das »Blaue Haus«, gelegen am Zusammenfluss von Trave und Beste, hieß ursprünglich »Lübsches Haus« und wurde 1374 erbaut. Im späten Mittelalter, zu Zeiten der Hanse, wurden hier Waren gestapelt und gelagert, bevor sie weiter verschifft wurden. Heute kaum mehr vorstellbar, war Oldesloe damals eine nicht unbedeutende Hafenstadt und wichtig für den Transitverkehr durch Nordeuropa.
Dieses Warenlager wurde dann zum Wohnhaus und im 18. Jahrhundert sogar eine kurze Phase als Kirche genutzt, als die Peter-Paul-Kirche renoviert werden musste. 1832 wurde es mit blauen Dachpfannen eingedeckt, daher resultiert der heutige Name.
Die dunkelste Phase hatte es ab 1933 nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten. In dieser Zeit war es ein Polizeigefängnis, wo auch politisch Verfolgte inhaftiert, gepeinigt und ermordet wurden. Die lokale Polizeiverwaltung war ein Hilfs- und Ausführungsorgan der Gestapo, die in Bad Oldesloe keine eigene Dienststelle hatte.
Eine Aufgabe der lokalen Polizeiverwaltung war das Nachweisen vorgeblich illegalen Handelns. Dazu fanden ihre polizeilichen Ermittlungen im rechtsfreien Raum statt: Hausdurchsuchungen und Inhaftierungen waren ohne richterlichen Beschluss möglich, zudem stand die Methode der »verschärften Vernehmung« zur Verfügung, was Misshandlung und Folter bedeutete. Zur Aufdeckung widerständiger oder anderer verbotener Tätigkeiten wurden gezielt Spitzel eingesetzt. Diese wurden entweder durch Gewalt oder massive Gewaltandrohung »umgedreht« oder mittels Versprechungen mit Geld gelockt. Ein zentrales Machtmittel der Gestapo war die Verhängung der »Schutzhaft«. Sie konnte ins Gefängnis, Zuchthaus oder Konzentrationslager führen, über ihr Ende entschied die Gestapo allein. Rechtsmittel gegen diese polizeilich verfügte Haft gab es keine. »Schutzhaft« wurde als Bestrafungsinstrument eingesetzt und diente der »Unschädlichmachung« von Gegnern.
Entlassen wurden sie nur unter strengsten Auflagen. Darunter war auch Waldemar Schultz, ein späterer Stadtverordneter in Bad Oldesloe. Insgesamt war die Vorgehensweise allein darauf ausgerichtet, den Widerstand gegen Hitler und seine Politik durch immer neue Verhaftungen und Strafen zu unterdrücken und letztendlich zu brechen. Die abgedruckte Tabelle nennt 15 Angeklagte, darunter 13 Männer aus Bad Oldesloe und Reinfeld. Ihnen wurde am 26. April 1934 wegen »Hochverrats« der Prozess gemacht. Mit Beginn und Verlauf des Krieges wurde aufgrund der Angst des Regimes vor den Folgen von Unzufriedenheit und Missstimmung in der Bevölkerung die soziale und politische Kontrolle und Überwachung durch die Gestapo verschärft.
Während der Phase der britischen Besatzung ab Mai 1945 wurde das Haus als Lazarett genutzt. Nach umfangreicher Restaurierung und Renovierung wurde es 1977 zum Wohnhaus bestimmt; es gab Geschäftsräume im Erdgeschoss. Im August 1977 eröffneten Elli und Karl-August Willfang ihre Buchhandlung, bis sie diese aus Altersgründen 1989 an einen Nachfolger übergaben. Er hielt sich allerdings nur kurz und 1991 eröffnete das Ehepaar Uta-Sophia Freund-Jentzsch und Martin Jentzsch die Buchhandlung neu. Im September 2023 gingen sie in den Ruhestand.