Das Klanglabor im KuB: Wenn klassische Komposition auf digitale Klangwelten triff
Studierende der Musikhochschule Lübeck präsentieren eigene Arbeiten im Rahmen der Konzertreihe „Wir in Bad Oldesloe“
Wer auftritt? Die Musikerinnen und Musiker von morgen. Was zu hören ist? Klangwelten, die überraschen, herausfordern und neue Perspektiven eröffnen. Mit dem Konzert „Emergent Sounds And Beyond – Elektronische Kompositionen und immersive Medien“ ist die Musikhochschule Lübeck (MHL) am Sonntag, den 1. November, um 17 Uhr erneut zu Gast im KuB. Studierende der Klasse von Prof. Dr. Nicola Leonard Hein präsentieren eigene Arbeiten und geben Einblicke in eine Musik, in der klassische Komposition auf digitale Technologien, elektronische Klanggestaltung und immersive Medien trifft.
Elektronische Klänge verbinden sich mit Instrumenten, selbst entwickelten technischen Systemen, performativen Elementen, Licht und Video. So entstehen faszinierende Klangräume zwischen analog und digital, zwischen Konzert, Installation und Klangkunst. Das Programm zeigt dabei eindrucksvoll, wie vielfältig die Auseinandersetzung mit neuen Technologien in der zeitgenössischen Musik sein kann.
Zu hören sind vier Werke, die auf ganz unterschiedliche Weise das Verhältnis von Mensch, Instrument, Technologie und Klang erforschen. Diego Morales Castillo untersucht in La Máquina Determinística (2026) für Laptop und Live-Elektronik das Prinzip der sogenannten geordneten Zufälligkeit. In der Informatik gibt es keine echte Zufälligkeit: Sogenannte Zufallszahlengeneratoren erzeugen anhand eines Startwerts zufallsähnliche Muster. Wird derselbe Startwert erneut verwendet, entsteht auch dasselbe Muster. Das Werk greift dieses Prinzip auf und kombiniert den Zufallszahlengenerator mit kontrollierten Startwertfolgen, um eine Art geordnete Zufälligkeit zu erzeugen.
In Grigorii Osipovs Delusional State (2026) treffen Drumset, Live-Elektronik, Licht und Video aufeinander. Das Stück nutzt selbstgebaute Sensoren, die eine Interaktion mit dem Schlagzeug ermöglichen. Eine kleine Scheibe, die am Trommelfell befestigt ist, erfasst Veränderungen im elektromagnetischen Feld. Die dabei gewonnenen Daten steuern eine Sammlung von Samples (Corpus) in der Data-Knot-Library von FluCoMa, einem Toolkit für maschinelles Lernen in Echtzeit-Performances, das in der Software Max/MSP eingesetzt wird. Auch die visuelle Komponente entsteht durch die Verbindung von Data Knot mit Jitter, der visuellen Umgebung von Max/MSP. Der Autor bedankt sich besonders bei Rodrigo Constanzo für die Entwicklung von Data Knot sowie für die Bereitstellung von Vorlagen und Anleitungen zum Bau der Sensoren. Ein weiterer Dank gilt Heathcliffe Auchinachie für die Zeit, die er für die Aufnahme der Gitarren-Samples zur Verfügung gestellt hat.
Ilia Viazovs _spect(e)r(um) (2024) für Feedback-Bassblockflöte, maschinelles Zuhören und Video widmet sich dem Moment, in dem Hören und Antworten ineinander übergehen. Töne dringen in den jeweils anderen Klang ein, Grenzen zwischen den Klangquellen verschwimmen – bis schließlich kaum noch zu unterscheiden ist, wer hört und wer antwortet.
Mit Goeun Kims Fluid Assemblages (2026) für Goma-02, musikalisches Agentensystem und Live-Elektronik wird schließlich der menschliche Körper selbst zum Ausgangspunkt eines dynamischen musikalischen Systems. Das eigens entwickelte Instrument „Goma-02“ reagiert unter anderem auf den Druck der Finger und Bewegungen der Arme. Körperliche Veränderungen beeinflussen unmittelbar den Klang und lösen neue Reaktionen innerhalb des Systems aus. Klang und Bild werden dabei zu Feldern, in denen die Beziehung zwischen Körper und Technologie immer wieder neugestaltet wird.
Das Publikum erwartet damit ein außergewöhnlicher Konzertabend, der dazu einlädt, Musik aus ungewohnten Perspektiven zu erleben. „Emergent Sounds And Beyond“ zeigt nicht nur elektronische Komposition, sondern macht hör- und sichtbar, wie neue Technologien zu eigenständigen musikalischen Werkzeugen werden – und wie daraus überraschende Formen des Zusammenspiels von Klang, Körper, Bild und Raum entstehen.
Die Konzertreihe „Wir in Bad Oldesloe“ bringt regelmäßig herausragende Studierende der MHL ins KuB. In jedem Semester entsendet die Musikhochschule ihre besten Nachwuchsmusikerinnen und -musiker an verschiedene Konzertorte in Schleswig-Holstein und ermöglicht damit Begegnungen zwischen dem musikalischen Nachwuchs und dem Publikum im Land.
Die MHL ist Schleswig-Holsteins einzige Musikhochschule und widmet sich der künstlerischen, pädagogischen und wissenschaftlichen Vermittlung von Musik. Rund 500 Studierende aus 45 Nationen werden hier unter anderem zu Solisten, Kammer- und Orchestermusikern, Sängern, Komponisten, Kirchenmusikern und Musikpädagogen ausgebildet. Zugleich zählt die Hochschule zu den größten Konzertveranstaltern Schleswig-Holsteins.
Datum: Sonntag, 1. November 2026, Uhrzeit: 17 Uhr
Ort: KuB, Beer-Yaacov-Weg 1, 23843 Bad Oldesloe
Vorverkauf: 15,50 €/12,50 € (ermäßigt), Abendkasse: 17,50 €/14,50 € (ermäßigt)
Infos: www.kub-badoldesloe.de oder unter 04531 504-199